Janine Kreiser.
Laut gedacht · Finanzen

Riester gegen Altersvorsorgedepot: Der ehrliche Vergleich. Und was du mit deinem alten Vertrag machst.

Riester war 24 Jahre lang die geförderte Altersvorsorge in Deutschland. Ab 2027 kommt das Altersvorsorgedepot. Neue Riester-Verträge gibt es dann nicht mehr, alte laufen weiter. Die Frage, die sich Millionen Menschen stellen werden: Was ist eigentlich besser? Hier ist der direkte Vergleich, Punkt für Punkt.

Kurz gesagt

  1. Auf dem Papier gewinnt das Altersvorsorgedepot fast jede Runde: mehr Zulage, keine Einkommenshürde, ETFs statt Garantie, niedrigere Kosten.
  2. Riester hat nur noch einen echten Vorteil: die Garantie. Und die kostet Rendite.
  3. Du hast schon einen Riester-Vertrag? Dann ist die Frage eine andere. Ein laufender Vertrag ist kein Neuabschluss. Du hast vier Möglichkeiten, und Kündigen ist fast immer die schlechteste.

Hinweis: Dieser Beitrag ist meine Meinung und keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand: Oktober 2026. Alles Grundsätzliche zum neuen Depot findest du im Hauptartikel „Das Altersvorsorgedepot kommt“.

Runde 1: Grundzulage

  • Riester: 175 Euro im Jahr.
  • Altersvorsorgedepot: bis zu 540 Euro im Jahr. Auf die ersten 30 Euro im Monat legt der Staat die Hälfte drauf, auf alles darüber bis 150 Euro im Monat ein Viertel.

Punkt fürs Depot. Dreimal so viel Zulage ist ein Argument.

Genauer nachgerechnet: So viel Zulage gibt es wirklich
  • 30 Euro im Monat (360 Euro im Jahr): 180 Euro Zulage. Bei Riester: 175 Euro, aber nur, wenn dein Mindestbeitrag stimmt.
  • 100 Euro im Monat (1.200 Euro im Jahr): 180 Euro auf die ersten 360 Euro plus 210 Euro auf die nächsten 840 Euro, also 390 Euro.
  • 150 Euro im Monat (1.800 Euro im Jahr): 540 Euro, mehr geht nicht.
  • Mehr als 150 Euro im Monat: Darfst du einzahlen, bekommst dafür aber keine zusätzliche Zulage.

Faustregel: Die ersten 30 Euro im Monat sind die mit der höchsten Förderung. Wer wenig sparen kann, profitiert prozentual am meisten.

Runde 2: Wer wie viel einzahlen muss

  • Riester: Für die volle Zulage musstest du 4 Prozent deines Vorjahresbruttos einzahlen, abzüglich Zulagen. Wer weniger zahlte, bekam die Zulage gekürzt. Und wer nicht jedes Jahr nachrechnete, merkte es oft erst Jahre später.
  • Altersvorsorgedepot: Mindestens 120 Euro im Jahr, dann gibt es Zulage. Dein Einkommen spielt keine Rolle.

Punkt fürs Depot. Die 4-Prozent-Regel war der Stolperstein Nummer eins. Weg damit.

Genauer erklärt: Warum die 4-Prozent-Regel so viele erwischt hat

Ein Beispiel: Du verdienst 50.000 Euro brutto im Jahr. Für die volle Riester-Zulage musstest du 4 Prozent einzahlen, also 2.000 Euro, abzüglich der Zulage von 175 Euro. Bleiben 1.825 Euro Eigenbeitrag. Hast du nur 1.000 Euro eingezahlt, wurde die Zulage anteilig gekürzt, auf etwa die Hälfte.

Das Tückische: Jede Gehaltserhöhung hat den Mindestbeitrag erhöht. Wer seinen Dauerauftrag nicht angepasst hat, hat jahrelang Zulage verschenkt, oft ohne es zu merken.

Beim Altersvorsorgedepot gilt: Ab 120 Euro im Jahr gibt es Zulage, darunter keine. Dein Einkommen spielt keine Rolle. Gehaltserhöhung? Ändert an der Zulage nichts.

Runde 3: Kinder

  • Riester: 300 Euro pro Kind und Jahr (für Kinder ab Jahrgang 2008, davor 185 Euro), aber nur, wenn der Mindestbeitrag stimmte.
  • Altersvorsorgedepot: bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr, 1 Euro für jeden eingezahlten Euro. Die volle Summe gibt es schon ab 25 Euro im Monat.

Unentschieden beim Betrag, Punkt fürs Depot bei der Einfachheit.

Genauer erklärt: So funktioniert die Kinderzulage im Depot
  • Voraussetzung: Für das Kind wird Kindergeld gezahlt.
  • Höhe: 1 Euro Zulage für jeden Euro, den du einzahlst, bis 300 Euro pro Kind und Jahr. Die vollen 300 Euro gibt es also schon bei 25 Euro im Monat.
  • Zwei Kinder: 50 Euro im Monat reichen für 600 Euro Kinderzulage. Dazu kommt die Grundzulage.
  • Eltern: Die Kinderzulage wird einem Elternteil zugeordnet. Ihr solltet absprechen, bei wem sie landet.

Bei Riester gab es die volle Kinderzulage nur, wenn der Mindestbeitrag von 4 Prozent stimmte. Genau daran ist sie oft gescheitert.

Runde 4: Wer mitmachen darf

  • Riester: vor allem Angestellte, Beamt:innen und ihre Ehepartner:innen. Die meisten Selbstständigen waren außen vor.
  • Altersvorsorgedepot: auch Selbstständige bekommen die Zulagen direkt.

Punkt fürs Depot.

Genauer erklärt: Wer bei Riester durchs Raster fiel

Riester-Förderung gab es direkt vor allem für Menschen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, und für Beamt:innen. Selbstständige ohne Rentenversicherungspflicht kamen nur über den Umweg Ehepartner:in an die Förderung, wenn diese:r selbst förderberechtigt war.

Beim Altersvorsorgedepot reicht es, Einkünfte aus Gewerbe oder selbstständiger Arbeit zu haben. Ob du in die gesetzliche Rente einzahlst, spielt keine Rolle. Die Rürup-Rente bleibt für Selbstständige trotzdem interessant, vor allem bei hohem Steuersatz. Oft ist die Kombination aus beidem die beste Lösung.

Runde 5: Geldanlage und Garantie

  • Riester: Am Ende muss mindestens das eingezahlte Geld plus Zulagen da sein. Klingt sicher. Heißt aber: Ein großer Teil des Geldes liegt in sicheren, renditeschwachen Anlagen. Sicherheit ist gut. Sicherheit mit 1 Prozent Rendite über 30 Jahre ist teuer.
  • Altersvorsorgedepot: keine Garantie. Du kannst in ETFs und Fonds investieren. Mehr Chance, mehr Schwankung.

Punkt fürs Depot, mit Sternchen. Wer bei jedem Kursrutsch nachts wach liegt, sollte sich das gut überlegen.

Genauer erklärt: Was die Garantie wirklich kostet

Eine Garantie heißt: Am Ende muss mindestens das eingezahlte Geld plus Zulagen da sein. Damit der Anbieter das sicher zusagen kann, legt er einen großen Teil in sichere, aber renditeschwache Anlagen. In den Niedrigzinsjahren war das so teuer, dass viele Anbieter seit 2022 gar keine neuen Riester-Verträge mehr angeboten haben.

Ohne Garantie kann das Depot in einem schlechten Börsenjahr auch mal 30 Prozent im Minus sein. Über lange Zeiträume haben sich breit gestreute Aktienmärkte in der Vergangenheit immer wieder erholt. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.

Meine Faustregel: Je länger du bis zur Rente hast, desto weniger brauchst du eine Garantie. Je kürzer, desto wichtiger wird Sicherheit.

Runde 6: Kosten

  • Riester: Typische Verträge kosten 1,5 bis 2,5 Prozent im Jahr, dazu oft Abschlusskosten am Anfang.
  • Altersvorsorgedepot: mit selbst gewähltem ETF oft 0,1 bis 0,2 Prozent. Beim Standardprodukt höchstens 1 Prozent.

Klarer Punkt fürs Depot. 2 Prozent Kosten über 30 Jahre fressen schnell ein Drittel des Ergebnisses.

Genauer nachgerechnet: Was 2 Prozent Kosten über 30 Jahre ausmachen

Beispiel: 2.340 Euro im Jahr (1.800 Euro Eigenbeitrag plus 540 Euro Zulage), 30 Jahre lang, 6 Prozent Rendite vor Kosten.

  • Mit 0,2 Prozent Kosten: rund 178.600 Euro.
  • Mit 2 Prozent Kosten: rund 131.200 Euro.
  • Unterschied: rund 47.400 Euro. Das ist mehr als ein Viertel des Ergebnisses, nur durch Kosten.

Wichtig: Kosten verstecken sich oft. Frag nach den Effektivkosten, also allen Kosten zusammen, in Prozent pro Jahr. (Vereinfachte Beispielrechnung, keine Anlageberatung.)

Runde 7: Auszahlung

  • Riester: lebenslange Rente, ein Teil kann zu Rentenbeginn auf einmal ausgezahlt werden.
  • Altersvorsorgedepot: frühestens ab 65, ein Auszahlplan, der mindestens bis 85 läuft. Zu Rentenbeginn sind bis zu 30 Prozent auf einmal möglich.

Punkt für Riester, wenn du sehr alt wirst. Die lebenslange Rente zahlt auch mit 95 noch. Beim Auszahlplan musst du selbst planen, was nach 85 kommt.

Genauer erklärt: Auszahlplan oder lebenslange Rente
  • Auszahlplan: Das Geld wird über eine feste Zeit verteilt, mindestens bis 85. Der Rest bleibt solange angelegt und kann weiter wachsen. Ist der Plan zu Ende, ist das Geld aufgebraucht.
  • Lebenslange Rente: Zahlt, solange du lebst. Dafür trägt der Anbieter das Risiko, dass du sehr alt wirst. Das hat seinen Preis.
  • Einmal 30 Prozent: Zu Rentenbeginn kannst du dir bis zu 30 Prozent auf einmal auszahlen lassen, zum Beispiel für eine Reise oder eine Renovierung.
  • Sehr kleine Beträge: Wäre die monatliche Auszahlung sehr klein, kann das Guthaben auf einmal ausgezahlt werden.

Die Frage, die du dir stellen solltest: Wie alt werden die Menschen in meiner Familie? Und habe ich nach 85 noch andere Einkünfte, etwa die gesetzliche Rente oder Mieten?

Runde 8: Steuer

  • Beide: Beim Einzahlen sparst du Steuern, beim Auszahlen zahlst du sie. Das Finanzamt ist bei beiden geduldig, aber nicht vergesslich. 😉

Unentschieden.

Genauer erklärt: Wie die Steuer funktioniert
  • Beim Einzahlen: Deine Beiträge plus Zulagen kannst du in der Steuererklärung als Sonderausgaben ansetzen. Das Finanzamt prüft, ob dir das mehr bringt als die Zulage, und erstattet dir gegebenenfalls die Differenz. Davon profitieren vor allem Menschen mit hohem Einkommen.
  • Beim Auszahlen: Alles, was ausgezahlt wird, ist voll einkommensteuerpflichtig, mit deinem persönlichen Steuersatz im Alter.
  • Der Trick dabei: Im Ruhestand ist der Steuersatz oft niedriger als im Berufsleben. Dann sparst du heute mehr Steuern, als du später zahlst. Wer im Alter hohe Einkünfte hat, etwa aus Mieten, zahlt allerdings auch dann mehr.

Das Ergebnis
Sechs Punkte fürs Depot, einer für Riester, ein Unentschieden. Eindeutig, oder?

Nicht ganz. Der Vergleich gilt für einen Neuabschluss. Wer schon einen Riester-Vertrag hat, vergleicht nicht zwei neue Produkte, sondern einen laufenden Vertrag mit einem neuen. Und da sieht es anders aus.

Du hast schon einen Riester-Vertrag? Deine vier Möglichkeiten

1. Weiterlaufen lassen
Dein Vertrag hat Bestandsschutz. Du zahlst weiter ein und bekommst weiter die bisherige Riester-Förderung, also 175 Euro Grundzulage plus Kinderzulage. Die Abschlusskosten sind bei älteren Verträgen oft längst bezahlt, ab jetzt zählen nur noch die laufenden Kosten.

2. Ins Altersvorsorgedepot übertragen
Du nimmst dein angespartes Geld mit ins neue Depot und bekommst ab dann die neue, höhere Förderung. Bisherige Zulagen und Steuervorteile wandern mit, nichts wird zurückgefordert. Die Kosten für den Wechsel sind gedeckelt: Ist dein Vertrag älter als fünf Jahre, darf der alte Anbieter nichts verlangen, sonst höchstens 150 Euro. Der neue Anbieter darf ebenfalls höchstens 150 Euro nehmen.

3. Beitragsfrei stellen
Du zahlst nichts mehr ein, das Geld bleibt im Vertrag und wird später ausgezahlt. Die Zulagen bleiben dir erhalten. Aber: Die Verwaltungskosten laufen oft weiter und knabbern am Guthaben. Und neue Zulagen gibt es keine. Für sich allein selten die beste Lösung, als Zwischenschritt manchmal sinnvoll.

4. Kündigen
Fast immer die schlechteste Wahl. Bei einer Kündigung musst du alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das nennt sich „schädliche Verwendung“, und der Name ist ehrlich gemeint. Wer raus will, überträgt lieber.

Wann Weiterlaufen sinnvoll sein kann

  • Dein Vertrag ist ein Honorartarif oder hat niedrige laufende Kosten.
  • Die Abschlusskosten sind längst bezahlt.
  • Du bist nur noch wenige Jahre von der Rente entfernt. Dann zählt die Garantie mehr als die Chance auf Rendite.
  • Du nutzt Wohn-Riester für deine eigene Immobilie.

Wann ein Wechsel sinnvoll sein kann

  • Dein Vertrag kostet 1,5 Prozent im Jahr oder mehr.
  • Du hast noch 15 Jahre oder mehr bis zur Rente.
  • Dein Guthaben hat sich kaum bewegt, weil fast alles in sicheren Anlagen steckt.
  • Du willst in ETFs investieren und kannst mit Schwankungen leben.

Passt beides ein bisschen? Willkommen im echten Leben. Genau dafür gibt es individuelle Beratung. 😉

Was ich dir rate

  1. Hol dir die letzte Standmitteilung deines Riester-Vertrags.
  2. Schau nach Kosten, Entwicklung, Garantie und Restlaufzeit.
  3. Vergleich das mit dem Altersvorsorgedepot. Wie du das mit KI vorbereitest, steht in „So prüfst du Angebote“.
  4. Lass es von einer Honorarberatung prüfen, die an deinem Wechsel nichts verdient.
  5. Und: Nicht im ersten Halbjahr 2027 entscheiden. Dein Riester-Vertrag läuft nicht weg. Er läuft einfach weiter.

Mein Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist das bessere Produkt. Aber ein besseres Produkt macht deinen alten Vertrag nicht automatisch schlecht. Riester ist nicht tot. Er bekommt nur keine Geschwister mehr.

Häufige Fragen

Was ist besser, Riester oder das Altersvorsorgedepot?
Für einen Neuabschluss ist das Altersvorsorgedepot in fast allen Punkten besser: höhere Zulage, keine Einkommenshürde, niedrigere Kosten, ETFs statt Garantie. Riester punktet nur noch mit der lebenslangen Rente und der Garantie.

Kann ich ab 2027 noch einen Riester-Vertrag abschließen?
Nein. Neue Riester-Verträge sind ab 2027 nicht mehr möglich. Bestehende Verträge laufen weiter und werden weiter gefördert.

Soll ich meinen Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot wechseln?
Das hängt von Kosten, Entwicklung und Restlaufzeit deines Vertrags ab. Ein günstiger Vertrag kurz vor der Rente kann weiterlaufen, ein teurer Vertrag mit langer Restlaufzeit spricht eher für einen Wechsel. Prüf es individuell, am besten mit einer Honorarberatung ohne Provisionsinteresse.

Was passiert, wenn ich meinen Riester-Vertrag kündige?
Dann musst du alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Besser ist meist, den Vertrag weiterlaufen zu lassen, beitragsfrei zu stellen oder ins Altersvorsorgedepot zu übertragen.

Quellen
Altersvorsorgereformgesetz (Bundestag 27.03.2026, Bundesrat 08.05.2026) · Bundesfinanzministerium · Deutsche Rentenversicherung · Fach- und Verbraucherportale zur Riester-Reform und zum Altersvorsorgedepot (Stand Oktober 2026).

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