Janine Kreiser.
Laut gedacht · Finanzen

Altersvorsorgedepot und Riester: So prüfst du Angebote. Erst mit KI, dann mit einem Menschen.

Ab Januar 2027 wird dein Postfach voll sein. Voller als in der Black-Friday-Woche. Banken, Versicherer und Vertriebe werden dir das Altersvorsorgedepot anbieten. Und viele werden dir sagen, dass du deinen Riester-Vertrag jetzt unbedingt umstellen musst. Vielleicht stimmt das. Vielleicht verdient aber auch nur jemand an deinem Wechsel. So prüfst du es.

Kurz gesagt

  1. Mit KI vorbereiten: In wenigen Minuten verstehst du dein Angebot, die Kosten und die Alternativen.
  2. Riester nicht pauschal kündigen: Ein alter Vertrag mit niedrigen Kosten, etwa ein Honorartarif ohne Provision, kann weiter gut funktionieren.
  3. Am Ende eine Honorarberatung: Jemand, der an deinem Abschluss oder Wechsel nichts verdient.

Hinweis: Dieser Beitrag ist meine Meinung und keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand: Oktober 2026. Alles zur Förderung findest du im Hauptartikel „Das Altersvorsorgedepot kommt“, ob es sich für dich lohnt, in „Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für mich?“.

Schritt 1: Deinen Riester-Vertrag verstehen
Bevor du über einen Wechsel nachdenkst, schau dir an, was du hast. Hol dir die letzte Standmitteilung deines Vertrags und frag dich:

  • Wie viel hab ich eingezahlt, wie viel Zulagen gab es, und was ist der Vertrag heute wert?
  • Was kostet er im Jahr?
  • Sind die Abschlusskosten schon bezahlt?

Wenn der Vertrag älter ist und die Abschlusskosten längst durch sind, kann er günstiger laufen, als du denkst. Das gilt besonders für Honorartarife, die ohne eingepreiste Provision abgeschlossen wurden.

Was ein Wechsel kostet
Der Gesetzgeber hat Grenzen gesetzt: Ist dein Vertrag jünger als fünf Jahre, darf der alte Anbieter höchstens 150 Euro für die Übertragung verlangen. Ist er älter, gar nichts. Der neue Anbieter darf ebenfalls höchstens 150 Euro nehmen. Abschluss- oder Vertriebskosten auf das übertragene Kapital sind nicht erlaubt. Bisherige Zulagen und Steuervorteile wandern mit.

Das heißt: Ein Wechsel ist günstiger als früher. Aber günstig heißt nicht automatisch sinnvoll.

Schritt 2: Mit KI vorbereiten
Diese Prompts kannst du so in jede gängige KI kopieren. Schwärze vorher Name, Adresse, Vertragsnummer, IBAN und Steuer-ID, oder tipp die Zahlen ab.

  1. „Hier ist die Standmitteilung meines Riester-Vertrags. Erkläre mir in einfachen Worten: Was hab ich eingezahlt, welche Zulagen gab es, was kostet der Vertrag pro Jahr, und wie hat er sich entwickelt?“
  2. „Vergleiche meinen Riester-Vertrag mit einem Altersvorsorgedepot ab 2027 mit einem ETF für 0,2 Prozent Kosten im Jahr. Rechne beide Varianten bis zu meinem 67. Lebensjahr durch. Ich bin [Alter] Jahre alt und zahle [Betrag] im Jahr ein.“
  3. „Hier ist ein Angebot für ein Altersvorsorgedepot. Liste alle Kosten auf, einmalig und laufend. Markiere, was in den Unterlagen fehlt.“
  4. „Welche Fragen sollte ich dem Anbieter stellen, bevor ich unterschreibe? Und woran erkenne ich, ob jemand an meinem Wechsel verdient?“
  5. „Erstelle mir eine Tabelle mit Pro- und Contra-Argumenten für einen Wechsel meines Riester-Vertrags ins Altersvorsorgedepot. Rechne mit konkreten Zahlen: mein aktuelles Guthaben, die laufenden Kosten in Prozent und in Euro pro Jahr, die Wechselkosten, die Zulagen bisher und künftig und das voraussichtliche Vermögen mit 67, einmal mit und einmal ohne Wechsel. Zeig mir am Ende die Differenz in Euro und sag mir, ab welchen Kosten und welcher Restlaufzeit sich ein Wechsel lohnt.“

Wichtig: Die KI kennt deine Situation nur so gut, wie du sie beschreibst. Und sie irrt sich manchmal, mit der Selbstsicherheit eines Onkels beim Familienfest. Nutz sie, um die richtigen Fragen zu finden, nicht, um die Entscheidung abzugeben.

Schritt 3: Honorarberatung statt Abschlussberatung
Am Ende würde ich jede größere Entscheidung zur Altersvorsorge von einem Menschen prüfen lassen. Aber von wem, macht den Unterschied:

  • Abschluss- oder Wechselmotivation: Wer an deinem Abschluss oder Wechsel Provision verdient, hat ein Interesse daran, dass du abschließt oder wechselst.
  • Honorarberatung: Du zahlst für die Beratung, nicht für das Produkt. Die Berater:in verdient nichts daran, ob du wechselst oder bleibst.

Honorarberatung findest du zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen oder bei zugelassenen Honorar-Finanzanlagenberater:innen. Frag vorher nach dem Honorar und lass es dir schriftlich geben.

Warnsignale bei Angeboten

  • „Riester ist tot, Sie müssen jetzt wechseln.“
  • Zeitdruck: „Nur noch diesen Monat.“
  • Kosten, die erst auf Nachfrage genannt werden.
  • Ein Produkt, das nicht das gesetzliche Standardprodukt ist, ohne dass dir erklärt wird, warum.
  • Fonds aus dem eigenen Haus, ohne Vergleich mit günstigen ETFs.
  • „Ich hab da was ganz Exklusives für Sie.“ Exklusiv heißt meistens: exklusiv teuer.

Mein Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist eine echte Chance. Aber jede Chance zieht auch Leute an, die vor allem selbst davon profitieren wollen. Bereite dich mit KI vor, lass dich von jemandem ohne Provision beraten, und entscheide in Ruhe. Im ersten Halbjahr 2027 verpasst du nichts. Außer vielleicht ein paar Anrufe. 😉

Häufige Fragen

Soll ich meinen Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot übertragen?
Das hängt von Kosten, Laufzeit und Entwicklung deines Vertrags ab. Ein alter, günstiger Vertrag, besonders ein Honorartarif ohne Provision, kann weiterlaufen. Prüf es individuell, am besten mit einer Honorarberatung.

Was kostet der Wechsel von Riester ins Altersvorsorgedepot?
Bei Verträgen unter fünf Jahren darf der alte Anbieter höchstens 150 Euro verlangen, bei älteren nichts. Der neue Anbieter darf ebenfalls höchstens 150 Euro nehmen. Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.

Kann ich ein Angebot mit KI prüfen?
Ja, als Vorbereitung. KI erklärt Unterlagen, listet Kosten auf und rechnet Varianten durch. Persönliche Daten solltest du vorher schwärzen, und die Entscheidung sollte am Ende ein Mensch ohne Provisionsinteresse mit dir prüfen.

Weiterlesen