Janine Kreiser.
Laut gedacht · Finanzen

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für mich? Drei ehrliche Rechnungen.

Bis zu 540 Euro im Jahr vom Staat. Für die einen ist das viel Geld, für die anderen ein Rundungsfehler. Die Frage ist nicht, ob die Förderung gut ist. Die Frage ist, ob sie zu dir passt. Ich hab drei typische Situationen durchgerechnet.

Kurz gesagt

  1. Eltern bekommen mit der Kinderzulage die stärkste Förderung im ganzen Paket.
  2. Junge Leute profitieren von langer Laufzeit, Bonus und hoher Förderquote auf kleine Beiträge.
  3. Gutverdienende müssen genauer rechnen: Die Förderung ist da, aber die Auszahlung wird im Alter voll versteuert und das Geld ist bis 65 gebunden.

Hinweis: Alle Rechnungen sind vereinfachte Beispielrechnungen und keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand: Oktober 2026. Wie das Altersvorsorgedepot funktioniert, erkläre ich im Hauptartikel „Das Altersvorsorgedepot kommt“.

Rechnung 1: Eltern
Du zahlst 1.800 Euro im Jahr ein und hast zwei Kinder. Dann bekommst du:

  • 540 Euro Grundzulage
  • 600 Euro Kinderzulage (2 × 300 Euro)

Das sind 1.140 Euro Förderung auf 1.800 Euro Eigenbeitrag, also über 60 Prozent. Und zwar egal, wie viel du verdienst: Die Zulagen hängen nur davon ab, was du einzahlst, nicht von deinem Einkommen. Kein normales Depot kommt da mit. Kinder kosten Nerven, Schlaf und Geld. Hier bringen sie zur Abwechslung mal was ein. 😉 Dazu kommt die Frühstartrente: Ist dein Kind 2020 oder später geboren, zahlt der Staat ihm von 6 bis 18 jeden Monat 10 Euro in ein eigenes Depot. Das sind höchstens 1.440 Euro, und an das Geld kommt dein Kind erst mit 65. Ein netter Zuschuss, aber für ein echtes Polster musst du selbst etwas dazulegen. Mehr dazu im Hauptartikel.

Meine Einschätzung: Für Eltern ist das Altersvorsorgedepot fast immer einen genauen Blick wert.

Rechnung 2: Junge Leute
Du bist 23, fängst gerade an zu arbeiten und kannst 30 Euro im Monat sparen. Das sind 360 Euro im Jahr. Dafür gibt es:

  • 180 Euro Grundzulage (auf die ersten 30 Euro im Monat legt der Staat die Hälfte drauf)
  • einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus

Bei kleinen Beiträgen ist die Förderquote am höchsten. Und du hast über 40 Jahre Zeit, in denen das Geld arbeiten kann.

Meine Einschätzung: Für junge Leute ein starker Einstieg. Aber nur, wenn der Notgroschen schon steht. Das Geld ist bis 65 gebunden. Für den Roadtrip nächsten Sommer ist es also weg.

Rechnung 3: Gutverdienende und Unternehmer:innen
Hier wird es individuell. Ein vereinfachtes Beispiel über 30 Jahre, mit 6 Prozent Rendite und 0,2 Prozent Kosten im Jahr:

Altersvorsorgedepot: 1.800 € Eigenbeitrag plus 540 € Zulage im Jahr. Nach 30 Jahren rund 178.600 €. Die Auszahlung ist voll steuerpflichtig. Bei angenommen 25 Prozent Steuersatz im Alter bleiben rund 134.000 €. Verfügbar ab 65, als Auszahlplan.

Normales ETF-Depot: 1.800 € Eigenbeitrag, keine Zulage. Nach 30 Jahren rund 137.400 €. Versteuert werden nur die Gewinne, mit Abgeltungsteuer und Teilfreistellung. Es bleiben rund 122.000 €. Verfügbar jederzeit.

Dazu kommt bei hohem Einkommen ein Steuervorteil in der Ansparphase: Das Finanzamt prüft, ob der Sonderausgabenabzug mehr bringt als die Zulage, und erstattet die Differenz.

Was die Tabelle nicht zeigt:

  • Dein Steuersatz im Alter entscheidet viel. Wer im Ruhestand hohe Einkünfte hat, zum Beispiel aus Mieten, zahlt auch auf die Auszahlung mehr.
  • Flexibilität hat einen Wert. Ein freies Depot kannst du für eine Immobilie, eine Firma oder eine Auszeit nutzen. Das Altersvorsorgedepot nicht. Mit 50 eine Firma kaufen klappt damit nicht. Mit 65 schon, aber dann hast du hoffentlich Besseres vor.
  • 1.800 Euro im Jahr sind gedeckelt. Für ein großes Vermögen ist das ein kleiner Baustein, keine Strategie. Eher Legostein als Fundament.

Meine Einschätzung: Kann sich lohnen, muss aber nicht. Gutverdienende sollten das Depot nicht isoliert betrachten, sondern im Zusammenspiel mit betrieblicher Altersvorsorge, Rürup-Rente, Immobilien und freiem Vermögen.

Was alle drei Rechnungen gemeinsam haben
Keine davon ist eine Empfehlung. Sie zeigen nur, an welchen Stellschrauben es hängt: Kinder, Laufzeit, Steuersatz, Flexibilität. Deine Antwort ergibt sich erst, wenn du deine eigenen Zahlen einsetzt.

Wie du das mit KI vorbereitest und warum am Ende trotzdem ein Mensch drüberschauen sollte, erkläre ich in „Altersvorsorgedepot und Riester: So prüfst du Angebote“.

Häufige Fragen

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für Gutverdienende?
Das hängt vom Steuersatz heute und im Alter, von anderen Vorsorgebausteinen und vom Bedarf an Flexibilität ab. Die Förderung ist gedeckelt, deshalb ist das Depot für große Vermögen eher ein Baustein als eine Strategie.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot am meisten?
Am stärksten gefördert werden Eltern über die Kinderzulage und Menschen mit kleinen Beiträgen, weil die ersten 360 Euro mit 50 Prozent bezuschusst werden.

Kann ich jederzeit an das Geld im Altersvorsorgedepot?
Nein. Ausgezahlt wird frühestens ab 65, in der Regel als Auszahlplan, der mindestens bis 85 läuft.

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