
Warum ich Feministin bin – und was das mit Geld zu tun hat
Feminismus ist für mich kein Kampfbegriff. Es ist die ganz praktische Frage, wer am Ende des Monats, am Ende der Karriere und am Ende des Lebens selbst entscheiden kann. Kurz: wer eine Wahl hat.
Kurz gesagt
- Frauen verdienen weniger, arbeiten öfter Teilzeit und bekommen gut ein Viertel weniger Rente.
- Ungleichheit endet nicht beim Geld: Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau getötet.
- Feminismus heißt für mich: eine echte Wahl haben. Und das fängt beim eigenen Konto an.
Ich sag’s, wie es ist: Lange habe ich das Wort „Feministin“ nicht in den Mund genommen. Es klang nach Streit, nach Lagerdenken, nach „gegen Männer“. Heute weiß ich: Das war ein Missverständnis. Und zwar eins, das uns Frauen ziemlich viel kostet.
Wer eine Wahl hat
Feminismus klingt nach großen Debatten. Dabei beginnt er im Kleinen. Ein paar Szenen, die fast jede Frau kennt:
16 Jahre. Sie läuft nachts von der Bushaltestelle nach Hause. Den Schlüssel zwischen den Fingern. Am Ende schreibt sie ihrer Freundin: „Bin daheim.“ Ihr Bruder hat das noch nie geschrieben.
29 Jahre. Sie joggt abends, die Dämmerung kommt. Hinter ihr tauchen Schritte auf, ein Mann. Sie nimmt die Kopfhörer raus und wechselt die Straßenseite. Wahrscheinlich war er harmlos. Aber sie läuft ab jetzt lieber morgens.
36 Jahre. Im Bewerbungsgespräch wird sie gefragt, wie sie das mit den Kindern organisiert. Ihr Mann hat diese Frage in keinem Gespräch je gehört.
41 Jahre. Sie arbeitet Teilzeit, weil die Kita um 15 Uhr schließt und einer ja gehen muss. Es ist immer sie. Das Gehalt reicht gerade für den Alltag, für ihre Altersvorsorge bleibt nichts.
53 Jahre. Nach der Trennung öffnet sie zum ersten Mal selbst die Ordner mit Verträgen und Kontoauszügen. Dann den Rentenbescheid. Und muss sich setzen.
74 Jahre. Sie hat drei Kinder großgezogen, die Eltern gepflegt, im Laden ihres Mannes mitgearbeitet, meistens ohne Vertrag. Heute zählt sie im Supermarkt die Münzen.
Keine dieser Frauen hat etwas falsch gemacht. Aber jede von ihnen hatte weniger Wahl, als sie hätte haben sollen. Darum geht es mir.
Die Zahlen hinter dem Bauchgefühl
Viele Frauen spüren, dass etwas nicht stimmt. Die Statistik bestätigt es:
- Frauen verdienen pro Stunde im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer. Selbst bei gleichem Job, gleicher Qualifikation und gleicher Erwerbsbiografie bleiben 6 Prozent übrig. Quelle: Destatis
- Jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit, bei den Männern ist es etwa jeder siebte. Bei Müttern mit Kindern unter 18 sind es zwei Drittel. Quelle: Destatis
- Frauen leisten pro Woche rund neun Stunden mehr unbezahlte Arbeit: Kinder, Haushalt, Pflege von Angehörigen. Quelle: Destatis
- Am Ende liegen die Alterseinkünfte von Frauen um gut ein Viertel unter denen der Männer. Quelle: Destatis
Das ist kein Zufall und auch keine Frage persönlichen Versagens. Das ist ein System, das sich über Jahrzehnte aufsummiert.
Ungleichheit hört nicht beim Geld auf
Wo entschieden wird, fehlen Frauen. Nur knapp jede dritte Führungskraft in Deutschland ist weiblich, damit liegen wir im unteren Drittel der EU. Quelle: Destatis Im Bundestag ist der Frauenanteil nach der Wahl 2025 sogar gesunken, auf 32,4 Prozent. Quelle: Bundestag
Und dann ist da die Gewalt. Laut Bundeskriminalamt wurden 2024 in Deutschland 308 Frauen und Mädchen getötet. Fast jeden Tag eine. Die Zahl der Opfer von Partnerschaftsgewalt lag bei über 171.000, rund 80 Prozent davon Frauen. Häusliche Gewalt hat einen neuen Höchststand erreicht. Mehr als 53.000 Frauen und Mädchen wurden Opfer von Sexualdelikten. Quelle: BKA Und das sind nur die Fälle, die angezeigt wurden.
Geld und Gewalt hängen zusammen. Wer finanziell abhängig ist, kann schwerer gehen. Darum ist ein eigenes Konto für mich keine Nebensache, sondern Schutz.
Feminismus fängt beim Kontoauszug an.
Ich berate seit Jahren Menschen zu Geld, Vorsorge und Immobilien. Und ich sehe immer wieder dasselbe Muster: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, kümmern sich um Kinder und Eltern, übernehmen die unsichtbare Arbeit zu Hause. Das ist wertvoll. Aber es taucht in keiner Rentenberechnung auf. Am Ende steht eine Lücke, die viele erst kurz vor der Rente bemerken.
Die Rechnung ist simpel: Halbe Stelle heißt halbe Rentenpunkte. Zehn Jahre Teilzeit fehlen dir später jeden Monat. Für den Rest deines Lebens. Und wer in dieser Zeit nichts zusätzlich anspart, verschenkt auch noch die Jahre, in denen der Zinseszins am stärksten wirkt.
Selbstbestimmung braucht Wissen.
„Mein Mann kümmert sich um die Finanzen.“ Diesen Satz höre ich oft. Und ich verstehe ihn. Trotzdem sage ich: Kümmere dich mit. Nicht aus Misstrauen, sondern weil du dein Leben selbst gestalten willst, egal, was passiert.
Trennung, Krankheit, Tod. Niemand plant das. Aber rund jede vierte Ehe wird innerhalb von 25 Jahren geschieden Quelle: Destatis, und Frauen leben im Schnitt gut viereinhalb Jahre länger als Männer Quelle: Destatis. Wer dann zum ersten Mal ins Depot oder den Kreditvertrag schaut, startet mit einem riesigen Nachteil.
Ein Partner ist keine Altersvorsorge. Auch nicht der liebste.
Fünf Dinge, die du diese Woche tun kannst
- Hol dir deine Renteninformation. Die Deutsche Rentenversicherung schickt sie dir, online geht es am schnellsten. Schau dir an, was dort wirklich steht.
- Verschaff dir einen Überblick: Welche Konten, Verträge und Versicherungen gibt es bei euch? Auf wessen Namen laufen sie?
- Hab ein eigenes Konto mit einem eigenen Puffer. Nicht als Fluchtplan, sondern als Grundlage für Entscheidungen auf Augenhöhe.
- Wenn du für Kinder oder Pflege beruflich zurücksteckst: Sprecht darüber, wie ihr das finanziell ausgleicht. Zum Beispiel, indem dein Partner in deine Altersvorsorge einzahlt. Lass dich zu Ehevertrag und Rentensplitting beraten.
- Lern die Grundlagen. Was ist ein Fonds, was ein ETF, was kostet ein Vertrag wirklich? Du musst keine Expertin werden. Aber du solltest verstehen, was du unterschreibst.
Hinweis: Das ist keine Anlage- oder Rechtsberatung, sondern ein Anstoß. Was zu deinem Leben passt, klärst du am besten in einem persönlichen Gespräch.
Sichtbarkeit ist kein Ego-Ding.
Ich baue Apps, berate zu Altersvorsorge und verkaufe Häuser. Und ich zeige das. Nicht, weil ich mich gern reden höre, sondern weil Mädchen und Frauen Vorbilder brauchen, die ihnen sagen: Das geht. Tech, Finanzen, Unternehmertum – das ist alles machbar.
Dort, wo über Geld, Technik und Immobilien entschieden wird, sind Frauen noch viel zu oft in der Minderheit. Das ändert sich nur, wenn wir trotzdem hingehen. Und andere Frauen mitnehmen.
Was ich konkret tue
Feminismus ist für mich vor allem Alltag. Das hier mache ich:
- Ich arbeite bevorzugt mit Frauen. Mein Dienstleistungsnetzwerk besteht am liebsten aus selbstständigen Frauen. Ich frage gezielt nach Frauen, weil ich mich mit ihnen oft wohler und verstandener fühle. Und weil jeder Auftrag an eine Frau ihr Business stärkt.
- Ich nehme mir Zeit. Finanzielle Zusammenhänge erkläre ich lieber einmal ausführlicher. Niemand soll etwas unterschreiben, das sie nicht versteht.
- Ich zeige Wertschätzung. Auch Frauen, die ich nicht kenne. An der Kasse, beim Einkaufen, im Vorbeigehen. Ein ehrliches Danke, ein Kompliment, ein Lächeln.
- Ich bringe Frauen zusammen. Bei der Ladies Night in Bannewitz treffen sich Frauen, die sich gegenseitig stärken statt bremsen.
Wertschätzung zu zeigen, ist für mich eines der größten Geschenke, die wir uns gegenseitig machen können. Es kostet nichts. Und es verändert manchmal einen ganzen Tag.
Was Feminismus für mich nicht ist
Feminismus ist kein Kampf gegen Männer. Kein Wettbewerb, wer mehr leidet. Und keine Vorschrift, wie Frauen zu leben haben. Wer zu Hause bei den Kindern bleiben will, soll das tun. Aber bitte mit offenen Augen, abgesichert und als eigene Entscheidung. Nicht, weil es sich halt so ergeben hat.
Feminismus braucht auch Männer.
Die besten Verbündeten, die ich kenne, sind Männer, die zuhören, Verantwortung im Alltag übernehmen und ihre Töchter genauso ermutigen wie ihre Söhne. Gleichberechtigung ist kein Nullsummenspiel. Wenn Frauen stärker werden, gewinnen Familien, Unternehmen und Gemeinschaften.
Konkret heißt das: Elternzeit nehmen, und zwar mehr als die zwei Partnermonate. Den Arzttermin für die Kinder selbst ausmachen. Im Meeting sagen: „Lass sie ausreden.“ Kleine Dinge. Große Wirkung.
Was ich mir wünsche:
- dass Frauen über Geld reden, ohne sich zu schämen,
- dass Care-Arbeit als Arbeit gesehen wird,
- dass Mädchen früh lernen, wie Geld, Technik und Verhandeln funktionieren,
- dass Männer sich nicht angegriffen fühlen, sondern mitmachen.
Darum bin ich Feministin. Ganz praktisch, ganz alltäglich. Und mit viel Freundlichkeit.
Du suchst Frauen, die dich stärken statt bremsen? Komm zur Ladies Night, dem Netzwerk für Powerfrauen in und um Bannewitz.
Häufige Fragen
Wie groß ist der Gender Pay Gap in Deutschland?
Frauen verdienen pro Stunde im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer. Bei gleicher Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie bleiben 6 Prozent Unterschied. Quelle: Destatis
Wie viel weniger Rente bekommen Frauen?
Die Alterseinkünfte von Frauen liegen um gut ein Viertel unter denen der Männer. Ein Grund: Teilzeit und unbezahlte Care-Arbeit bringen weniger Rentenpunkte. Quelle: Destatis
Was kann ich als Frau sofort für meine Finanzen tun?
Renteninformation anfordern, einen Überblick über alle Konten und Verträge verschaffen, ein eigenes Konto mit Puffer anlegen, Ausgleich für Teilzeit in der Partnerschaft vereinbaren und die Grundlagen von Geldanlage lernen.
Ist Feminismus gegen Männer?
Nein. Feminismus heißt für mich, dass alle eine echte Wahl haben. Gleichberechtigung ist kein Nullsummenspiel: Wenn Frauen stärker werden, gewinnen Familien, Unternehmen und Gemeinschaften.